Gedankenaustausch #10 | Neues aus der Buchwelt!

Gedankenaustausch #10 | Neues aus der Buchwelt! Lesezeit: 3 Minuten

Herzlich Willkommen zu einem neuen Gedankenaustausch!
Als ich den Beitrag anfing zu schreiben, da hatte ich noch gar keine Idee, was ich euch genau sagen wollte oder um was es ging. Ich hab mir nur letztes darüber Gedanken gemacht, was sich verändert hat und wie ich dazu stehe. Ich bin gespannt, wie ihr es zurzeit auffasst und darüber denkt!

Irgendwann erreicht man das Alter oder einfach nur den Punkt, wo man Geschichten lesen will mit Personen in seinem Alter.
Ich gehöre zu der Generation “Harry Potter”, saß um Mitternacht im Wohnzimmer und hab auf das fünfte Buch gewartet, dank dem Mitternachtsexpress oder ging zu Buchpartys, wo man es schon ab Punkt 0 Uhr kaufen konnte. Es gab so viele Veranstaltungen, der Hype war riesig und ich bin mit der Geschichte von Rowling aufgewachsen, Stück für Stück. Harry ist älter geworden und ich bin älter geworden, es passte einfach.

Aber jetzt bin ich Mitte zwanzig, mich graut es davor in ein paar Jahren dreißig zu werden und ich wünsche mir andere Helden, andere Probleme und mehr Aktualität.

Ihr denkt bestimmt: “Das ist doch nicht so schwer…es gibt zig Bücher mit Leuten in deinem Alter, in deiner Situation.”
Es gibt so viele Teenie-Heldinnen, die eine neue Welt entdecken und Abenteuer erleben, doch wie es mit den Mitte Zwanzigern? Die scheinen da rausgewachsen zu sein oder haben den Zug nach Hogwarts schlicht und einfach verpasst.

Aber mir es geht auch um die Aktualität in Bezug auf Themen und die Stimme dahinter. Und an der Stelle hat sich was bei den Verlagen getan.
Es gibt ein paar Imprints von großen Verlagen, die sich um solch eine moderne Literatur bemühen, wie Blumenbar von Aufbau Verlag und bold vom dtv Verlag. Letzteres hat bei mir schon mit seinem Büchern punkten konnten, bei ersterem tue ich mich noch etwas schwer mit seiner Auswahl.

Hier ist noch mein Beitrag zu den Programm von bold!

Doch auch bei den Manga-Szene hat sich was mit dem Start von Altraverse geändert.
An alle Zwanziger hier: So in unserer Zeit hat es mit den Mangas angefangen, wir schauten alle Sailor Moon, Jeanne die Kamikaze Diebin, lasen eine Schulromanze nach der anderen, ermittelten mit Conan oder vertieften uns in die weite Welt von One Piece . An der stelle könnte ich so einige Serien und Mangas nennen, aber das würde den Rahm von meinem Text wirklich sprengen.

Auf jeden Fall, wir hatten so ein riesiges Input in unserer Jugend und dann wurden wir älter, besonders bei mir tauchte dann eine jahrelange Flaute auf – nichts wollte so richtig passen.
Altraverse fing den Markt ganz anders auf, als seine Mitspieler. Er konzentriert sich auf eine andere Zielgruppe, die bereits älteren Leser, die mit alldem aufgewachsen sind, denen die Genrebegrifflichkeiten schon ins Blut übergegangen sind und gab ihn nicht nur ältere Hauptpersonen, sondern auch blutige Kämpfe, außergewöhnliche Handlungen, Liebesgeschichten mit einem gewissen Pepp oder unkonventionelle Liebesgeschichten.

Hier ein Interview mit Nerdzig!

Mir gefällt die Entwicklung zurzeit, es ist als würde ich eine ganz neue Tür öffnen und ich lese Genres, die ich bislang links liegen gelassen hatte. So liegt gerade mein erster Thriller auf dem Nachttisch! Für mich ein unfassbares Ding der Unmöglichkeit.

In der Buchszene, als auch in der Comicszene tut sich was – es ist als hätten sie eine neue Zielgruppe gefunden, aber wir sind immer noch die Selben, einfach älter geworden, vielleicht auch anspruchsvoller?


Mit was könnte man euch locken? Was für Geschichten wünscht ihr euch? Von was darf es ruhig mehr geben?

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3 Kommentare

  1. 3. Mai 2019 / 14:06

    Huhu,

    das Problem kenne ich, wobei ich es schon bedeutend früher hatte – jetzt nicht ‘Haha, ich war zuerst da’, sondern rein am Alter gerechnet. Ich fand mich schon als Zehnjährige selten in Jugendbüchern wieder, weshalb ich Kinderbücher und Erwachsenenromane gelesen habe, aber nichts dazwischen.
    Dabei finde ich die Thematik von Jugendbüchern oft gar nicht schlecht, nur die Protagonisten gehen mir extrem auf die Nerven. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass Teenies sich in Büchern aufführen, als wären sie im Kindergarten stecken geblieben. (Leider macht das selbst Harry Potter ab Band 4, selbst da haben mir nur die erwachsenen Nebenfiguren die Reihe gerettet.)

    Entsprechend wäre meine erste Antwort auf die Frage, was ich gern (mehr) lesen würde: Bücher mit den Thematiken der Jugend (wie komm ich mit meinem Leben zurecht; die Welt ist viel diverser, als ich dachte, was nun?; …) mit sich reif benehmenden Charakteren. Welchen, die mal philosophieren. Die, wenn sie schon ausrasten, hinterher in sich gehen und begreifen, wie albern sie sich benommen haben und keine Hermine dafür brauchen. Völlig egal, ob die dabei 16 oder 26 sind, solche Protas möchte ich gern mal in der entsprechenden Vielfalt, die Jugendbücher bieten. Denn nirgends anders findet man so viel Diversity. Warum muss man das mit ätzenden Nervkindern (die in diesem Nervgrad auch noch vollkommen unrealistisch sind, weil kein realer Mensch auf der Welt SO dumm, unreif und hassenswert ist) versauen?

    Und ansonsten? Puh, ich wünschte, der Buchmarkt würde vom Ewiggleichen mal wieder etwas wegkommen. Hätte den Mut, wieder mehr mit Erzählstilen, Themen, und schlicht auch intersektionaler Diversität zu experimentieren. So hab ich erst vor kurzem bemerkt, dass ein Grund, warum ich Bücher zwar mag, sie für mich aber immer kognitiv extrem anstrengend sind, der ist, dass es bisher nur Bücher für neurotypische Menschen gibt – zumindest auf dem Massenmarkt. ‘Show, don’t tell’ heißt DAS Gesetz unter Autoren. Nur … das funktioniert bei mir nicht, weil mir zu viele Informationen fehlen, wenn der Autor mir nicht schreibt, was genau ich mir unter einer Sache denn vorstellen soll. Ich brauch nicht viele Beschreibungen, nur grobe Hintergründe zum Prota und zur Welt BEVOR die Geschichte Fahrt aufnimmt, weil mir sonst Deutungsrahmen fehlen, sowie klare Worte, wenn mir Emotionen des Charakters vermittelt werden sollen. Aber Bücher in solchen Schreibstilen werden von Neurotypischen offenbar als langweilig angesehen – so nennt es zumindest meine Lektorin.
    Nur … ich brauche sie so. Also würde ich mir wünschen, dass der Buchmarkt endlich soweit über seinen Teller schauen kann, dass er auch Bücher im Programm aufnimmt, die für vielleicht sogar die Mehrheit schwerer zu lesen sind, wenn sie damit eine Minderheit endlich besser inkludieren und ihr auch ein Sprachrohr, auch das gleiche, wohlige Gefühl beim Buchlesen geben wollen.

    Einfach mehr Vielfalt auf allen Ebenen. Das hätte ich gern. Und wieder mehr ruhige Bücher, Feelgoodfantasy.

    Und, wie du sagst, Bücher mit UNS als Helden. Immerhin ist der Umbruch Ausbildung/Uni fertig, was mach ich jetzt mit dem Leben doch deutlich größer und damit eigentlich doch ergiebiger als ‘Oh nein, der neue Schüler ist ja so niedlich’. ;D

    LG
    Taaya

  2. 4. Mai 2019 / 20:01

    Ich traue es mich gar nicht zu erwähnen aber ich gehöre zu denen, die als Erwachsene Harry Potter Fans wurden und damals jedes Buch heiß herbeigesehnt haben.

    Dabei ändert sich nicht unbedingt der Lesegeschmack, sondern man liest Bücher mit anderen Augen je älter man wird. Das ist zumindest meine Erfahrung. Man sieht die Dinge nicht unbedingt kritischer aber sehr viel differenzierter und kann vieles aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Das finde ich persönlich total spannend und deswegen keine Angst vor der 30 (oder der 40 irgendwann) es ist ziemlich cool hier jenseits dieser Zahlen 😀

    Es freut mich immer zu sehen, dass Verlage versuchen, den verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden. Das finde ich persönlich sehr schön.

    Interessant finde ich, den Input aller Altersgruppen zu lesen. Meine Mutter wird nächstes Jahr 80 und liest begeistert alles queer Beet. Wenn ein Buch dabei ist, dass eher mehr Anglizismen enthält oder Begriffe, die für uns selbstverständlich sind, dann fragt sie nach. Das bildet in gewisser Weise also auch, genauso wie ich manchmal in alten Büchern Begriffe entdecke, die mir nicht geläufig sind, weil sie kaum noch verwendet werden. Gleichzeitig habe ich auch noch nie so wirklich darüber nachgedacht, welche Ansprüche die heutigen Mittzwanziger an Bücher stellen. Man lernt quasi nie aus. Danke dafür.

    LG
    Grit

  3. 6. Mai 2019 / 23:17

    Abend,
    über dieses ‘Problem’ habe ich bisher noch nie nachgedacht, aber auf den zweiten Blick scheint es doch ziemlich präsent. Da ich kaum Jugendbücher leser, habe ich dieses Problem doch eher selten.

    Liebe Grüße
    Lilly

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