Rezension | Anne-Marie die Schönheit

Gegenwartsliteratur ist nun nichts, dass man bei mir öfters sieht und auch dieses Buch hier habe ich spontan in Angriff genommen. Bekommen habe ich eine kleine wunderbare und sehr interessante Geschichte, die noch und nach nur 79 Seiten, nachhallt.

„Auf der Bühne war ich manchmal Anne-Marie die Schönheit“ – im wirklichen Leben aber ist Anne-Marie nicht nur in Sachen Aussehen zu kurz gekommen. Aus der tristen Provinz hat sie es gerade mal bis in ein Pariser Vorstadttheater geschafft. Und während ihre Kollegin Gigi die großen Rollen bekam und prominente Liebhaber empfing, verkehrte Anne-Marie mit einem Vertreter von Lederwaren und ihrem tumben Mann. Was bleibt am Ende für Anne-Marie? Das Alter, diese „Kaskade des Chaos“, der Sohn, „ein Mistfink“ und die getrüffelten Cashew-Nüsse. Aber: „Es heißt, die glücklichsten Leben sind diejenigen, in denen nicht viel passiert …

Als ich das Buch angefangen hatte, hatte ich in meinem Kopf gleich die Vorstellung einer alten Dame, die bei sich daheim sitzt mit einem Reporter. Der Journalist fragt sie nach der berühmten Schauspielerin Giselle, die kürzlich verstorben war und sie, als gute Freundin, war auf ihrer Beerdigung.
Da fängt sie an zu erzählen…ungeschnitten…ein Monolog.

So stellte ich es mir zumindest vor, was wir sehen ist aber nur ein Monolog, den sie mit irgendjemanden führt, der keinen Text hat. Wenig bis gar keine Satzzeichen und viele Absätze.

Anne-Marie Miller erzählt, aber nicht nur von Gigi, sondern auch von sich selbst. Wie und warum sie ans Theater gekommen ist, wie es war Gigi zu treffen, wie es war immer hinter ihr zu stehen und was aus ihrem Leben, als auch was aus Gigis Leben wurde.

Es sind gerade mal 79 Seiten, in denen ganze zwei Leben angeschnitten werden aus der Sicht von Anne-Marie Miller und es ist nicht alles genau erzählt. Doch die Erzählerin bringt in kurzen Sätzen ihr Leben auf dem Punkt, fängt dann manchmal an sich zu verlieren und springt etwas in der Zeit herum. Trotzdem bekommt man ein sehr gutes Bild von den Personen und ihren Lebensweg. Sie erzählt von der Einsamkeit, wie es ist älter zu werden, von der Familie und dem Ende, dass einem bevorsteht. Aber es ist nicht traurig, es klingt eher versöhnlich und leicht humorvoll.
Und es liest sich einfach authentisch.
Man kann sich nur schwer vorstellen, dass sich das jemand ausgedacht hat, so ging es mir zumindest und ich habe auch ein paar Namen aus dem Buch nachrecherchiert mit dem Glauben, dass sie auf wahren Personen beruhen. Aber nein, es ist alles fiktiv.

Ein wirklich schönes kleines Buch, dass ich sehr gerne gelesen hatte und ich werde mir die Autorin auf jeden Fall merken!

Das Buch bewerte ich mit:

Titel: Anne-Marie die Schönheit | Originaltitel: Anne-Marie la Beauté | Autor: Yasmina Reza | Übersetzer: Frank Heibert; Hinrich Schmidt-Henkel | Einband: Gebundenes Buch | Seiten: 79 Seiten | ISBN: 978-3446263789 | Hier kaufen!

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