Das Seidenraupenzimmer von Sayaka Murata

Letzes Jahr habe ich mit großer Begeisterung “Die Ladenhüterin” von Sayaka Murata gelesen und fand es so gut, dass ich manche Stellen noch einmal gelesen hatte. Als dann dieses Buch angekündigt war, war ich wieder mal Feuer und Flamme und hatte mich gleich darauf gestürzt, aber …

Es fängt harmlos an

In diesem Roman, wie in ihrem letzten “Die Ladenhüterin”, geht es um Außenseiter, bzw. das Außenseiterdaßein in der japanischen Gesellschaft, wo Leistung und Anpassung zu den wichtigsten Dingen im Leben gehört.
Im Mittelpunkt steht Natsuki, es beginnt mit ihrer Kindheit, wo sie als kleines Mädchen zum Obon bei ihrer Großmutter fährt.

Das Obon ist ein buddhistisches Totengedenkfest, ein sehr wichtiges Fest, wo die ganze Familie sich bei der Großmutter versammelt. Für Natsuki auch die einzige Gelegenheit ihren Cousin Yu zu treffen. Man merkt schnell, dass diese beiden Kindern die Außenseiter in ihren Familien sind, die anderen Verwandten versuchen immer wieder etwas einzugreifen, aber ohne Erfolg.
Daher flüchten sich die kleinen Kinder an diesen Tagen gemeinsam in ihre Fantasiewelt und man kann sagen, ab da beginnt das lange Drama.

Triggerwarnung?!

Dieser Roman ist nichts im Vergleich zu ihrem früheren Werk, es ist deutlich verstörender, düsterer und manchmal hätte ich mir gewünscht eine Triggerwarnung zu haben, damit der Schock nicht so groß gewesen wäre. Wir reden hier von Missbrauch, als Natsuki von ihrem Lehrer schwer sexuell belästigt wird, von Unterdrückung und Demütigung durch ihre Mutter und es ist wirklich herzzerreißend zu lesen, wie Natsuki versucht sich gegen den Zwängen von außen zu wehren. Vieles wird geschildert als Natsuki noch 10 Jahre alt ist, was es teilweise besonders schwer macht zu lesen.

Fazit

Die Autorin schildert nüchtern, teilweise aus der Sicht eines 10 jährigen Mädchens, das Leben unter den Zwängen der japanischen Gesellschaft. Es ist eindrücklich geschrieben, sodass man es nicht aus der Hand legen kann vor Aufregung und es ist definitiv nichts für zarte Nerven.
Sie übt offen Kritik an der Leistungsgesellschaft und zeigt ein düsteres, bis hin zu verstörendes Bild.
Am Ende war ich nicht mehr ganz überzeugt von dem Buch, da der Schluss für mich zu abstrus war, aber es hat mich definitiv sehr mitgenommen.

Das Buch bewerte ich mit:

1

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