We love you Bunny von Mona Awad, übersetzt von Elena Helfrecht und Susanna Fahle

Wer den ersten Band Bunny kennt, weiß: Das ist kein normales Buch. Man fällt rein, kopfüber, in etwas Surreales, Buntes, Beängstigendes – und irgendwie auch völlig Berauschendes. Dieser zweite Teil ist anders. Irgendwie ruhiger, spannungsvoller. Als würde man nicht mehr mittendrin im Trip stecken, sondern durch den Wald streifen und sich fragen, was gerade eigentlich passiert ist.

Das Seltsame ist noch da, wie man es aus dem ersten Band kennt. Die Verwirrung aber auch. Doch die Wucht des ersten Buchs – dieses „Was zur Hölle lese ich gerade?!” – die lässt sich beim zweiten Mal eben nicht mehr so leicht nachmachen. Das ist kein Vorwurf an Awad, das liegt in der Natur der Sache. Überraschungen funktionieren nur einmal wirklich.

Interessant ist diesmal der Fokus: Wir begleiten die Bunnies selbst, vor ihrer Begegnung mit Samantha. Jeder darf im Monolog seine Sicht erzählen, während Samantha gefesselt da sitzt.
Ein frischer Blickwinkel – und ja, ich war gespannt. Awad lässt jede der Figuren wirklich zur Sprache kommen, und das mit einer sprachlichen Wucht, die mich aufgerüttelt hat. Wie sie jede einzelne dieser irren Persönlichkeiten einfängt, mit eigener Stimme, eigener Energie – das ist handwerklich einfach stark.

Dann gibt es die Kapitel, in denen die Schöpfung selbst eine Stimme bekommt – fast wie bei Frankenstein. Die haben mich am meisten überrascht, am meisten begeistert, und ich werde hier natürlich nichts spoilern.

Aber – und das muss ich sagen – die Bunny-Abschnitte ziehen sich. Stellenweise wirklich. Die zweite Hälfte verliert deutlich an Fahrt, was umso schmerzhafter ist, weil die erste Hälfte so mitreißend war. Knapp 500 Seiten sind für dieses Buch einfach zu viel. Da wäre ein bisschen mehr Rotstift gut gewesen.

Und noch etwas: Im ersten Buch hatte ich das Gefühl, dass die Metaphern atmen durften. Jede Leserin konnte etwas anderes darin sehen, jede konnte mit einem anderen Gefühl rausgehen. Hier wirkt es manchmal, als würde das Buch einen etwas fester an die Hand nehmen und sagen: Schau, das bedeutet das hier.

Trotzdem – ein guter Trip. Wenn du Bunny geliebt hast, lohnt sich der zweite Band. Geh nur rein mit dem Wissen, dass er anders ist. Aber Mona Awad bleibt eine Autorin, der ich blind folge – auch wenn der Weg diesmal nicht ganz so elektrisierend war.

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