„Richtig gutes Essen“ hat mich auf eine sehr seine Art gekriegt: Es ist ein Roman, in dem vieles geschniegelt und höflich wirkt – und innerlich arbeitet es die ganze Zeit. Wir sind bei dem Büroangestellten Nitani, Büroalltag, Kolleg*innen, Routinen… und mittendrin dieses Thema Essen, das hier weniger „Mh lecker“ ist, sondern eher: Sozialer Eignungstest in Nudelform.
Nitani versucht, so zu funktionieren, wie man eben funktionieren soll: korrekt, unauffällig, nicht zu viel, nicht zu wenig. Und genau das fand ich so spannend (und auch ein bisschen heftig): Wie oft in dieser Welt alle versuchen, das Richtige zu sagen, das Richtige zu tun, sich ja „richtig“ zu verhalten – als wäre das ein Vollzeitjob zusätzlich zum eigentlichen Job. Ich hab beim Lesen ständig gedacht: Das muss ja anstrengend sein, so permanent auf „Bitte niemanden stören“-Modus zu laufen.
Besonders hängen geblieben ist mir Ashikawa – und zwar nicht nur, weil sie eine wichtige Rolle im ganzen Bürogefüge spielt, sondern weil ich so oft dachte: Gib mir bitte einmal ihre Innenansicht. Wirklich. Ich hätte so gern gewusst, wie sie all diese Blicke und Erwartungen sortiert. Das hat mir gefehlt, weil ich das Gefühl hatte: Ihre Perspektive hätte noch mal eine ganz andere Schärfe reingebracht.
Obwohl der Roman insgesamt eher leise bleibt, gibt es einen Moment, der richtig sticht – da zieht es plötzlich an, und du merkst: Ah, okay, das war die ganze Zeit nicht nur Alltagsskizze, das hat Zähne.
Mein einziges kleines Aber (und das ist mehr ein Wunsch als Gemecker): An ein paar Stellen hätte es für mich noch einen Tick spannender sein dürfen – und beim Ende hätte ich gern etwas genauer gewusst, wo wir jetzt stehen. Ich mag Offenheit, aber ich mag auch dieses Gefühl von „Jetzt ist der Deckel drauf“ – und da hätte ich mir noch ein paar Sätze extra gegönnt.
Am schönsten fand ich, wie der Roman einem ganz nebenbei ein Fenster in die japanische Gesellschaft aufmacht – mit all den feinen Regeln, dem „bloß nichts falsch machen“ und den stillen Spannungen, die darunter trotzdem brodeln.
Ein kluges, fein beobachtetes Buch, das dir zeigt, wie diese Gesellschaft funktioniert – und wie Essen plötzlich mehr über Menschen erzählt als viele Gespräche. Und wenn du nach dem Lesen Instantnudeln ein bisschen anders anschaust: Willkommen im Club!
