Es gibt ja diese Bücher, bei denen man schon beim Klappentext denkt: Okay. Das ist meins.
So ging es mir mit Plant Lady. Südkoreanische Literatur? Check. Eine ungewöhnliche, potenziell unzuverlässige Hauptfigur? Check. Ein Pflanzenladen als Rückzugsort mit latent düsterer Energie? Doppel-Check.
Eigentlich hatte dieser Roman alles, was mich sofort neugierig macht – diese Mischung aus Alltäglichkeit und unterschwelliger Abgründigkeit, die viele südkoreanische Gegenwartsromane so gut können. Und tatsächlich beginnt Plant Lady auch genau so: leise, kontrolliert, fast harmlos. Yu-hee führt ihren Pflanzenladen, beobachtet, sortiert, pflegt. Zwischen Monstera, Sukkulenten und feuchter Erde entsteht ein Raum, der gleichzeitig Schutzraum und Bühne ist.
Was mir richtig gut gefallen hat, sind genau diese Pflanzen-Passagen. Die detaillierten Beschreibungen von Blättern, Wurzeln, Licht, Wachstum – das hatte Atmosphäre. Der Laden wirkt wie ein atmender Organismus, fast lebendiger als die Menschen darin. Diese ruhigen Szenen geben dem Buch seinen ganz eigenen Ton und schaffen eine stille, beinahe meditative Grundstimmung. Auch die Andeutungen zum Stadtleben in Südkorea fand ich spannend – dieses Gefühl von Enge, Erwartung, sozialem Druck, das immer mitschwingt. Davon hätte ich tatsächlich noch mehr lesen wollen.
Und trotzdem.
So sehr die Idee knallt – die Umsetzung hat mich emotional nicht ganz erreicht. Der Schreibstil ist sehr nüchtern, fast protokollartig. Distanziert. Beobachtend. Was als stilistischer Kniff funktioniert, um Kälte und innere Abspaltung zu zeigen, hat bei mir leider dazu geführt, dass ich zwar verstand, was in Yu-hee vorgeht – aber es nicht wirklich gespürt habe. Ihre Wut, ihre Radikalität, ihre Grenzüberschreitungen: alles da. Aber seltsam gedämpft. Wie hinter Glas.
Auch die Übergänge zwischen den Begegnungen wirkten teilweise abrupt, als würde man immer wieder neu ansetzen, ohne ganz in die Tiefe zu sinken. Gerade wenn es psychologisch spannend wurde, blieb das Buch einen halben Schritt zurück. Und ich stand da und dachte: Jetzt trau dich doch.
Cooles Buch. Geile Idee. Wirklich starkes Grundkonzept.
Aber so richtig umgehauen hat es mich überraschenderweise nicht – obwohl alles dafür da war.
Unterm Strich bleibt Plant Lady für mich ein interessantes, leicht verstörendes, klug gedachtes Buch, das mich neugierig, aber nicht nachhaltig erschüttert zurücklässt. Ich bin ein bisschen zwiegespalten: beeindruckt von der Idee, fasziniert von der Atmosphäre – aber emotional auf Abstand.
Vielleicht ist genau das auch Teil des Konzepts.
Nur hätte ich mir gewünscht, dass es ein kleines bisschen mehr unter die Haut geht.
