Der Mai sieht auf dem Papier nach einem absoluten Lesemonster aus: Insgesamt habe ich 17 Bücher beendet. Allerdings täuscht die Zahl ein wenig, denn gleich acht dieser Titel hatte ich bereits im April oder sogar noch früher begonnen und zwischenzeitlich pausiert. Im Mai stand deshalb nicht nur Neues entdecken auf dem Plan, sondern auch einige angefangene Geschichten endlich zu Ende zu bringen. Herausgekommen ist ein bunter Lesemonat mit Cozy Fantasy, Science-Fiction, Romantasy, Krimis und einigen literarischen Highlights. Besonders begeistern konnten mich diesen Monat „Gelbe Monster“ von Leinemann und „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman – zwei sehr unterschiedliche Bücher, die mich beide noch lange nach der letzten Seite beschäftigt haben.
Gelbe Monster – Leinemann
Definitiv eines meiner Highlights des Monats. Der Roman hat mich vor allem durch seinen ungewöhnlichen Aufbau und die gewählte Perspektive beeindruckt. Die Geschichte entfaltet ihre Themen Schicht für Schicht und regt immer wieder dazu an, über Moral, Verantwortung und gesellschaftliche Dynamiken nachzudenken. Besonders gelungen fand ich, dass das Buch keine einfachen Antworten liefert, sondern Diskussionen eröffnet und Raum für unterschiedliche Interpretationen lässt. Es ist eines dieser Bücher, die einen auch nach dem Zuklappen noch beschäftigen.
Der versteinerte Elf (Spellbound 14)
Diesen Band nenne ich diesmal nicht explizit als Highlight, weil die gesamte Reihe für mich mittlerweile ein Selbstläufer ist. Sobald ein neuer Band erscheint, muss ich ihn sofort lesen oder hören. Die Figuren sind mir über die Jahre ans Herz gewachsen und die Mischung aus Magie, Humor und Abenteuer funktioniert für mich einfach immer. Von dieser Reihe darf es gerne noch sehr viele weitere Bände geben.
Annie Knows Everything
Eine wirklich positive Überraschung. Die Dynamik erinnerte mich stellenweise an die Romane von Hazelwood, auch wenn das Setting und die Branche eine ganz andere sind. Die Autorin hat einen angenehmen, lockeren Stil, der mich schnell durch die Geschichte getragen hat. Am Ende fiel meine Bewertung zwar etwas niedriger aus, weil die Handlung selbst nicht ganz mit meiner anfänglichen Begeisterung mithalten konnte, aber ich würde definitiv weitere Bücher der Autorin lesen.
Dead to Me – Annie Anderson
Der Auftakt einer neuen Urban-Fantasy-Crime-Reihe, die sich wunderbar nebenher hören lässt. Spannend, leicht zugänglich und mit genau der richtigen Mischung aus Kriminalfall und übernatürlichen Elementen. Kein Buch, das das Genre neu erfindet, aber eines, das sehr gut unterhält.
Ich, die ich Männer nicht kannte – Jacqueline Harpman
Ein weiteres großes Highlight des Monats. Dieser Roman ist gleichzeitig beklemmend, faszinierend und philosophisch. Harpman stellt grundlegende Fragen über Menschlichkeit, Gesellschaft und Identität und tut das auf eine unglaublich eindringliche Weise. Trotz seiner ruhigen Erzählweise entwickelt das Buch einen enormen Sog. Ein Roman, der zum Nachdenken einlädt und lange nachhallt.
Alle glücklich – Kira Mohn
Besonders interessant fand ich die Entscheidung, die Geschichte aus den Perspektiven aller Familienmitglieder zu erzählen. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild von Familie, Erwartungen und zwischenmenschlichen Konflikten. Nicht alle Entwicklungen waren für mich nachvollziehbar und manches hätte ich mir etwas überzeugender ausgearbeitet gewünscht. Die zentrale Botschaft über Kommunikation, Verständnis und familiäre Beziehungen wurde jedoch sehr gelungen vermittelt.
The Faraway Inn – Sarah Beth Durst
Cozy Fantasy, wie ich sie liebe. Eine warme, gemütliche Atmosphäre, sympathische Figuren und eine Handlung, die zwar eher ruhig erzählt wird, aber dennoch genügend Spannung bietet. Genau das richtige Buch für entspannte Lesestunden.
Wycherleys – Die Debütantin – Annaliese Avery
Ein weiterer Ausflug in die YA-Fantasy. Insgesamt fand ich das Buch solide und stellenweise durchaus unterhaltsam. Die Welt hatte interessante Ansätze, allerdings fehlte mir über längere Strecken etwas der Sog, der mich unbedingt weiterlesen lassen wollte. Ob ich die Reihe fortsetze, weiß ich noch nicht. Wenn ich aber aktuell ein YA-Fantasybuch aus dem Genre empfehlen müsste, wäre es durchaus ein Kandidat.
Unheimlicher Check-In – Stephanie Damore
Eine kurze, gemütliche Mischung aus Fantasy und Krimi, die sich als Hörbuch sehr angenehm konsumieren ließ. Leider gehört es auch zu den Geschichten, die schnell wieder verblassen. Während des Hörens hatte ich Spaß, aber nur kurze Zeit später waren viele Details schon wieder verschwunden.
Heart Strings – Love in Galway – Ivy Fairbanks
Liebesromane mit Krankheitsthematik sind oft schwierig umzusetzen. Hier hat es für mich gut funktioniert. Die Autorin schreibt authentische Figuren und schafft es gleichzeitig, die Romantik nicht aus den Augen zu verlieren. Insgesamt eine solide, charmante Liebesgeschichte.
Masked by Nightfall – Kim Nina Ocker
Ein Buch, das sich irgendwo zwischen YA Fantasy und New Adult bewegt. Vieles erinnerte mich an bekannte Genrevertreter, was für mich aber kein Problem war. Es liest sich flott, ist unterhaltsam und bietet genau das, was man von romantischer Fantasy erwartet. Das eigentliche Highlight war allerdings das Ende: Die letzten Seiten haben mich überrascht und erst dadurch überhaupt Interesse an der Fortsetzung geweckt.
Princess Knight – G. A. Aiken
Der zweite Band rund um die Schwestern in dieser mittelalterlichen Fantasywelt war leider eine echte Geduldsprobe. Ich hatte das Buch bereits im vergangenen Jahr begonnen und mehrfach pausiert. Nun habe ich es endlich beendet – und bin leider nicht überzeugt. Für mich wollte der Roman zu viele Dinge gleichzeitig sein: zu viele Figuren, zu viele Handlungsstränge, zu viel Chaos. Die Reihe werde ich daher nicht weiterverfolgen.
Miss Austen – Die Geheimnisse zweier Schwestern – Gill Hornby
Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, nicht zuletzt wegen der wunderschönen Ausgabe. Als großer Jane-Austen-Fan konnte ich dem Roman durchaus einiges abgewinnen. Er hat Charme und fängt die Atmosphäre gut ein. Gleichzeitig zog sich die Handlung für meinen Geschmack häufig zu sehr in die Länge. Weniger Seiten hätten der Geschichte gutgetan.
Betrayed – Prinzessin der tausend Diebe – Thea Hong
Das koreanische Setting war für mich der große Pluspunkt dieses Romans. Die Verbindung aus moderner südkoreanischer Kulisse, magischen Familienclans und Elementen koreanischer Mythologie hebt das Buch angenehm von vielen anderen Romantasy-Titeln ab. Die Geschichte rund um Sora und ihre Rolle innerhalb des mächtigen Clans war spannend aufgebaut und die Welt wirkte durchdacht und atmosphärisch. Besonders das Ende konnte mich überraschen und macht definitiv neugierig auf die Fortsetzung.
Full Speed to a Crash Landing – Beth Revis
Dieses Buch wurde mit dem Hinweis beworben, es sei etwas für Fans von Becky Chambers. Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Vielleicht trifft das noch auf die ersten Kapitel zu, aber danach schlägt die Geschichte eine ganz andere Richtung ein. Eher würde ich es Fans von Ali Hazelwood empfehlen. Es ist eine unterhaltsame Mischung aus Science-Fiction, Abenteuer, Romantik und einer Prise Space Opera. Witzig, flott erzählt und sehr kurzweilig – aber eben reine Unterhaltung und kein tiefgründiger Wohlfühl-Science-Fiction-Roman.
The Ordeals – Rachel Greenlaw
Lange Zeit war ich überzeugt, dass dieses Buch ein weiteres Highlight werden könnte. Die düstere Fantasywelt, die geheimnisvolle Atmosphäre und die von Folklore geprägte Inselkulisse haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Rachel Greenlaw baut ihre Welt sorgfältig auf und schafft starke Bilder, die lange im Gedächtnis bleiben. Gegen Ende verlor die Geschichte für mich allerdings etwas an Stärke. Einige Entwicklungen wirkten recht vorhersehbar und insgesamt wurde mir die Geschichte etwas zu jugendlich. Trotzdem: sprachlich sehr gelungen, atmosphärisch dicht und absolut empfehlenswert für Fantasy-Leserinnen und -Leser, die magische Prüfungen, Geheimnisse und düstere Märchenstimmung mögen.
How to Find a Fallen Star – Lily S. Morgan
Der Abschluss der Dilogie hat genau das geliefert, was ich erwartet hatte: Fantasy, Crime und Romance in einer unterhaltsamen Mischung. Keine große Überraschung, aber ein angenehmer Abschluss der Geschichte.
Insgesamt war der Mai ein überraschend starker Lesemonat. Nicht jedes Buch konnte mich vollständig überzeugen und einige Reihen werde ich wohl nicht weiterverfolgen, dafür habe ich aber auch neue Autorinnen entdeckt, zu denen ich gerne zurückkehren möchte. Besonders freue ich mich darüber, einige lange pausierte Bücher endlich abgeschlossen zu haben und damit wieder etwas Platz auf meinem Stapel der angefangenen Geschichten geschaffen zu haben. Jetzt bin ich gespannt, welche Titel der Juni für mich bereithält – hoffentlich mit genauso vielen positiven Überraschungen und mindestens einem neuen Jahreshighlight.
