Rezension | Asymmetrie von Lisa Halliday

Rezension | Asymmetrie von Lisa Halliday Lesezeit: 3 Minuten

Hin und wieder, greife ich gerne zur Gegenwartsliteratur, neben den ganzen Fantasyromanen und bei diesem Buch hat mich gleich das Cover auf der Buchmesse angesprochen, es ging mir nicht aus dem Kopf und als ich es anfing zu lesen, war mir klar, du hast einen Treffer gelandet.

Es beginnt mit einer Eiswaffel, auf einer Bank im Central Park. Hals über Kopf stürzt sich Alice in eine Lovestory mit dem berühmten Schriftsteller Ezra Blazer. Sie ist 25, er in seinen Siebzigern. Ein erotisches, tragikomisches Kammerspiel – doch dann setzt eine ganz andere Erzählung ein. Amar, ein amerikanisch-irakischer Doktorand auf dem Weg nach Nahost, wird am Londoner Flughafen in Gewahrsam genommen. (Quelle: Hanser Verlag)

Nach den ersten paar Sätzen von Klappentext scheint alles klar zu sein: “Das wird wohl eine dramatische Liebesgeschichte, verbotene Liebe und das ganze Zeug drum herum.”
So war mein erster Gedanke, als ich mir den Text durchgelesen hatte und so wirklich hat mich das nicht gereizt, aber dafür das Cover. Schwer zu sagen was es genau war, das Bild der hektischen Stadt oder der dazugehörige Titel? Oder fand ich es einfach schön?

Auf jeden Fall hat es dazu geführt, dass ich es mal aufgeschlagen hatte und ein paar Seiten lesen wollte. Und das hatte schon gereicht, dass ich weiter lesen wollte und weiter. Irgendwie dachte ich an den Schreibstil von Hiromi Kawakami, nur viel direkter und mit einem Tick mehr Beschreibungen, mehr Großstadtatmosphäre, mehr Hektik und sehr sympatisch ohne, dass sie viele nette Worte schreibt.
Ezra ist ein nett alter Herr, ein sehr bekannter und renommierter Autor, der Alice schlecht widerstehen kann und er sorgt sich um sie auf eine Art, die man einfach als liebevoll beschreiben kann. Aber es bleibt die Frage, wie ist er wirklich? Was denkt er über sie?

Alice dagegen, ist viel kühler als er, versucht gar nicht so aufdringlich zu sein, wiederum möchte sie ihn immer wiedersehen und schnell entsteht zwischen den beiden eine Liebesgeschichte. Auch bringt er ihr vieles bei, der jungen Lektorin, die vom Schreiben träumt. Er zeigt ihr Romane, Orte und Musik, zeigt ihr seinen Text.
Mit wenig Emotionen schreibt Halliday hier eine Liebesgeschichte, bei der wir viel über die beiden Charaktere lernen und ich hab schon lange nicht mehr so gern ein Buch gelesen. Doch irgendwann nimmt alles eine Wendung, wie kann es auch anders sein…


“Keiner lässt den anderen fallen. Abgemacht?”

Alice, die immer noch anderthalb Meter von ihm entfernt saß, streckte lächelnd eine Hand aus. Der Schrifsteller sah sie an und senkte dann eine ganze Weile zweifelnd den Blick darauf, als stünde auf ihrer Handlfäche das Für und Wider jedes einzelnen Mals, als er jemanden die Hand geschüttelt hatte.

“Ich hab es mir anders überlegt”, sagte er schließlich. “Komm her.”


Das Buch ist eingeteilt in drei Teile: Verrücktheit, Wahnsinn, Erza Blazer bei Desert Island Discs (ein Interview). Man könnte auf den ersten Blick sagen, alle Teile stehen für sich, aber sie haben eine Verbindung und es liegt ganz allein am Leser sie herauszufinden, es ist knifflig, es ist nicht deutlich, aber es lässt einen nicht mehr so schnell wieder los. Man denkt noch Tage danach darüber nach, aber ob man auch auf eine Lösung kommen will?

Den zweiten Teil der Geschichte, namens Wahnsinn, fand ich, ohne ihn nun einzuordnen, sehr interessant. Es ist die Geschichte von Amar, einen Doktoranden, der zwischen seinen Kulturen (Amerika-Irak) steht. Am Flughafen wird ihm das und viele andere Dinge, wie über die Familie und Freunde in seinem Leben vor Augen gebracht.
An der Stelle möchte ich nicht zu viel verraten, nur so viel ist gesagt: dieser Teil ist deutlich anders als der erste und letzte Text, der Schreibstil ist fießender und doch genauso packend und regt zum nachdenken an.

Jeder Teil ist für sich allein schon interessant und der Schreibstil ist clever(!), sympatisch, etwas humorvoll, keineswegs steif und es steckt viel dazwischen. Auf jeden Fall ist das Buch ganz anders, als ich zunächst erwartet hatte. Viel, viel klüger, als mein anfänglicher Gedanke dazu und ich bin froh, dass ich dazu gegriffen hab
Doch irgendwie passt das Wort “interessant” nicht ganz, es ist eher…vielsagend, außergewöhnlich, bemerkenswert, ungewöhnlich und schwer in Worte zu fassen.

Das Buch bewerte ich mit:

Titel: Asymmetrie | Originaltitel: Asymmetrie | Autorin: Lisa Halliday | Übersetzerin: Stefanie Jacobs | Seiten: 320 Seiten | Verlag: Carl Hanser Verlag | Erscheinungsdatum: 23. Juli 2018 | ISBN: 978-3446260016 | Link zum Verlag hier.

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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

10 Kommentare

  1. 2. Februar 2019 / 14:37

    Die Rezension habe ich nun lediglich überzogen, weil das eines meiner nächsten Bücher wird. Ich finds immer toll, Blogs zu entdecken, die auch meine bevorzugten Genres abdecken =) Häufig finden sich unter den literarischen Websites ja viele (ausschließlich) fantasy-lastige Buchblogs.

    Herzliche Grüße,
    Zeilentänzerin

    • Ani
      Autor
      3. Februar 2019 / 10:53

      Hallo Zeilentänzerin (hübscher Name übrigens),

      oh, da bin ich ja gespannt was du zum dem Buch sagst und freue mich, dass dir auch meine Seite gefällt!
      Ich weiß noch, als ich gestartet hatte, gab es wenig fantasy-lastige Blogs und in den letzten Jahren hat es sich wirklich gesteigert. Ich rezensiere gerne Gegenwartsliteratur, aber nicht sehr häuftig. ;D

      Viele liebe Grüße
      Ani

  2. 2. Februar 2019 / 20:33

    Guten Abend,

    das Buch ist mir offenbar im letzten Jahr völlig durch die Lappen gegangen, dabei sieht es wirklich super schön aus und die Story spricht mich irgendwie auch sofort an. Vielen Dank dass du das Buch vorgestellt hast. Meine Wunschliste ist direkt ein Buch reicher.

    Viele liebe Grüße
    Chrissi

    • Ani
      Autor
      3. Februar 2019 / 11:04

      Hallo Chrissi,

      das Cover ist wirklich hinreißend! Zu dem Buch gibt es noch eine Geschichte, also eine Hintergrundgeschichte, die ich jetzt nicht mit in die Rezension aufgenommen habe.
      Die Autorin war eine sehr gute Freundin von dem, leider, verstorbenen Autor Philip Roth, der dir hoffentlich was sagt (“Der menschliche Makel”) und er hat auch über das Buch drüber geschaut und es sie so verlegen lassen. Es gibt Gerüchte, dass sie, die selbst einmal eine junge Lektorin war, mit ihm ein Verhältnis hatte und die Geschichte autobiographische Züge hat…das ist einfach sehr interessant im Hinterkopf zu haben!

      Viele liebe Grüße
      Ani

  3. 3. Februar 2019 / 8:16

    Das Buch ist mir auch schon durch sein Cover aufgefallen. Ich kaufe gerne nach Cover!
    Deine Besprechung hat mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht ohne Zuviel darüber zu verraten.
    Auch mag ich Geschichten, die sich erst später zusammenfügen. Es scheint, als ob ich hier ein Buch für mich gefunden habe!
    Viele Grüße
    Silvia

    • Ani
      Autor
      3. Februar 2019 / 11:06

      Hey Silvia,

      das freut mich!
      Es ist doch so, wie mit dem Essen: “Das Auge isst mit.” Und bei Büchern ist das ebenfalls überhaupt nicht verkehrt! Nicht ohne Grund gibt es viele ähnliche Covers, damit dem Leser schon bei einem Blick darauf klar ist, das ist wie das Buch von Lucinda Riley oder xy….wir verbinden einfach sofort was damit.
      Danke für deinen lieben Kommentar, ich versuche immer so gut es geht nicht zu spoilern, damit man meine Rezensionen angstfrei lesen kann. 🙂

      Viele liebe Grüße
      Ani

  4. 3. Februar 2019 / 18:50

    Hallo Ani,
    Um dieses Buch schleiche ich auch schon eine ganze Weile drum herum. Deine Rezension hat mich jetzt noch mal neugieriger gemacht und ich möchte jetzt so gern wissen, was es mit den drei Teilen auf sich hat. Muss ich meinen SuB wohl ignorieren und dieses Buch bald mal lesen. 🙂
    Liebe Grüße, Julia

    • Ani
      Autor
      4. Februar 2019 / 21:21

      Hi Julia,

      ach mein SuB ist schon lange still! Ich werde es wohl nie schaffen den viel kleiner zu werden, weil bei jedem Besuch im Buchladen was mit muss.
      Vielen lieben Dank für deine Worte und viel Spaß beim Lesen!

      Liebe Grüße
      Ani

      • 6. Februar 2019 / 14:34

        Haha, ja das Problem mit dem SuB hat wohl glaube ich so gut wie jeder Bücherwurm. ;D
        Danke dir.
        LG, Julia

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